4-Stufenkonzept

1. Stufe - Geschlossene Aufnahmegruppe
2. Stufe - Wohngruppen 1 + 2
3. Stufe - Lehrlingsheim
4. Stufe - Wohnen in den Aussenwohnhöfen, begleitetes Wohnen und Arbeitsexternate

 

Grafische Übersicht des Phasenkonzeptes:

4-Stufenkonzept der Pädagogik

Ein klar aufgebautes Stufenkonzept deckt sich mit pädagogischen Erkenntnissen von Erzie­hung in einem stationären Rahmen und verschafft Eingewiesenen, einweisenden Behörden, den Familien sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Institution eine gemeinsame Verständnisebene im Vollzug der pädagogischen Massnahme.

Ein Eintritt erfolgt in der Regel in die geschlossene Aufnahmegruppe. Ist eine bereits bei der Anmeldung klar ausgewiesene Drogenabhängigkeit des Eingewiesenen auszumachen und ist die Entweichungsgefahr auszuschliessen oder sehr gering, erfolgt die Aufnahme nach Möglichkeit direkt in die Suchtgruppe (total 8 Plätze, siehe separates Konzept).

1. Stufe - die geschlossene Aufnahmegruppe - Ziele:

  • Einführung in den Massnahmenvollzug und Erkennen von Möglichkeiten und Gren­zen
  • Verhinderung von Fluchten und deliktischen Handlungen
  • Pädagogische, psychologische und psychiatrische Abklärung im persönlichen Be­reich
  • Eignungs- und Neigungsabklärung im beruflichen Bereich
  • Bereitschaft, sich mit dem persönlichen Verhalten, das schliesslich zur Einweisung führte, auseinanderzusetzen, um alternative Perspektiven zu entwickeln
  • Abschluss einer ersten Erziehungsplanung mit Grob- und Fernzielen
  • Erreichen einer minimalen Belastbarkeit für den Übertritt in die 2. Stufe.

Die Eingewiesenen arbeiten während des Tages vorwiegend in der ebenfalls geschlossenen Abklärungswerkstatt (Holz und Metall), in der sie von 2 Mitarbeitern betreut und angeleitet werden.
Das sozialpädagogische Team ist einer Gruppenleitung unterstellt. Die Betreuung erfolgt durchgehend, das heisst auch während der Nacht ist ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin anwesend (Pikett).
Sobald das Ziel der ersten Stufe erreicht ist, erfolgt der Übertritt in die nächste Stufe, in der Regel nach ca. drei Monaten.

 

2. Stufe - Wohngruppen 1 + 2  -  Ziele:

  • Erweiterte und verfeinerte Massnahmenplanung in sozialer und beruflicher Hinsicht
  • Aufbau, Stärkung und Stabilisierung der Persönlichkeit, Übernahme von Eigenverant­wortung und Verantwortung gegenüber den Miteingewiesenen der Wohngruppe
  • Kontinuität in der persönlichen und beruflichen Entwicklung
  • Reflexion und Veränderung des deliktischen Handelns und der Abhängigkeitsthema­tik
  • Alternative Freizeitgestaltung gegenüber dem früheren, hauptsächlich passiven und konsumorientierten Verhalten
  • Aufbau und Ausbau eines minimalen, tragfähigen Beziehungsnetzes ausserhalb der In­stitution
  • Vorbereitung auf die 3. Konzeptstufe
  • Zunehmende Verlässlichkeit und Belastbarkeit.

Die Eingewiesenen arbeiten während des Tages in den Ausbildungsbetrieben (siehe Seite Ausbildungsbetriebe), in denen sie durch ausgewiesenes Fachpersonal für Arbeit und Aus­bildung angeleitet werden.
Der Aufenthalt in dieser Stufe hängt wesentlich von der Mitarbeit und der persönlichen Ent­wicklung der Eingewiesenen ab. Bei Unterbrüchen durch Entweichungen oder Rückverset­zungen in die 1. Stufe ergibt sich eine Verlängerung der 2. Stufe.
Die sozialpädagogischen Teams der entsprechenden Gruppen sind einer Gruppenleitung unterstellt.
In den Phasen der Nachtruhe ist der Diensthabende der Nachtwache Ansprechpartner für Fragen oder bei Unregelmässigkeiten.
Sobald das Ziel der 2. Stufe erreicht ist, erfolgt der Übertritt in die nächste Stufe, in der Regel nach ca. 12 Monaten.

3. Stufe  -  das Lehrlingsheim  -  Ziele:

  • Fortsetzung der Entwicklung aus den beiden Vorstufen
  • Massnahmenplanung in Richtung von Externaten (z.B. arealinterne Aussenwohnun­gen als Trainingsfeld vor begleitetem Wohnen) oder bedingter Entlassung
  • Kontaktnahme mit der Bewährungshilfe und frühzeitige Vorbereitung der bedingten Ent­lassung
  • Aufbau einer verlässlichen Perspektive nach der bedingten Entlassung
  • Ablösung von der Institution mit deren Regeln und Strukturen
  • Übernahme von Selbständigkeit zur verantwortungsvollen und sachgerechten Erledi­gung der anfallenden Problemstellungen in den Bereichen Arbeit, Ausbildung, Frei­zeit und Sachaufgaben.

Die Eingewiesenen arbeiten während des Tages in den internen Ausbildungsbetrieben oder bei einem externen Arbeitgeber.
Der Aufenthalt im Lehrlingsheim richtet sich ebenfalls nach der persönlichen Entwicklung und dauert in der Regel ca. 8 Monate.
Das sozialpädagogische Team des Lehrlingsheims ist einer Gruppenleitung unterstellt.
In den Phasen der Nachtruhe ist der Diensthabende der Nachtwache Ansprechpartner bei Fragen oder Unregelmässigkeiten.
Sobald das Ziel der 3. Stufe erreicht ist, erfolgt der Übertritt in die letzte Stufe. 

4. Stufe  -  Wohnen in den Aussenwohnhöfen, begleitetes Wohnen und Arbeitsexternate  -  Ziele:

  • Fortsetzung der Entwicklung aus den drei Vorstufen
  • Massnahmenplanung in Richtung der bedingten Entlassung
  • Kontaktnahme mit der Bewährungshilfe und frühzeitige Vorbereitung der bedingten Ent­lassung
  • Aufbau einer verlässlichen Perspektive nach der bedingten Entlassung
  • Ablösung von der losen institutionellen Betreuung
  • Übernahme von Eigenständigkeit zur verantwortungsvollen und sachgerechten Erledi­gung der anfallenden Problemstellungen in den Bereichen Arbeit, Ausbildung, Haushaltsführung, Führung der eigenen Finanzen, Freizeit und Sachaufgaben
  • Eingliederung in die berufliche und soziale Realität unserer Gesellschaft
  • Austritt.

Die Eingewiesenen arbeiten nach Möglichkeit in der Privatwirtschaft.
Der Aufenthalt im begleitetem Wohnen und Arbeitsexternat richtet sich nach den individuel­len Bedürfnissen des zu Entlassenden und wird mit ihm sowie der zuständigen Behörde und allenfalls Drittpersonen (Sozialdienste, Bewährungshilfen, Partnerinstitutionen etc.) festge­legt.
Im Regelfall soll das Wohnen im Aussenwohnhof ca. 4-6 Monate dauern und das anschliessende begleitete, externe Wohnen und Arbeiten mindestens drei Monate prob­lemlos verlaufen.
Sobald das Ziel der 4. Stufe erreicht ist, erfolgt der Austritt.